Okzitanien – letzter Tag

Hallo, wir melden uns heute Abend zum letzten Mal aus dem Languedoc. Morgen früh machen wir uns auf den Rückweg, wahrscheinlich mit einem Zwischenstopp, aber jetzt geht der Urlaub langsam zu Ende. Gefühlt für uns eigentlich recht abrupt, man merkt gar nicht, wir die Zeit vergeht. Zuerst hat man ja noch viele Tage vor sich, dann wird’s irgendwann mal hektisch und Sachen klappen nicht wie geplant, man ist also beschäftigt und plötzlich – bumms – letzter Tag. Entsprechend gedrückt ist auch die Stimmung, nicht schlecht, aber irgendwie wehmütig, wie jedes Jahr. Wer uns kennt, weiß wahrscheinlich, dass wir diese Gegend als unsere Heimat empfinden. Karmisches Zeug halt…

Gestern habe ich nichts geschrieben. An diesem Tag ging ziemlich viel schief und wir sind spät heimgekommen. Wir haben nach einem sonnigen Fleck gesucht und ihn nördlich von Carcassonne auch gefunden, leider war dort nicht viel Sehenswertes. Wir rumgefahren wie die Irren, haben nach langem Suchen ein schönes Renaissance-Schlösschen neben dem Furunkel am Arsch der Welt gefunden und konnten es dann nicht besichtigen – Privat, nur nach Voranmeldung. Wir wollten auch ein Museum für Aromapflanzen besuchen, das sich als heruntergekommenes Wohnhaus entpuppt hat. Wir haben geläutet – niemand da. Über Klöster und Kirchen auf dem Weg möchte ich kein weiteres Wort verlieren.

Gegen Abend haben wir uns, mehr aus Verzweiflung, noch einmal dem Thema Canal du Midi zugewandt. Dies hier ist das künstliche Staubecken in Saint-Ferrèol, das im 17. Jahrhundert angelegt wurde, um den Kanal mit Wasser zu versorgen. Ist heute zusätzlich ein Badesee.

Saint-Ferreol 1200

Aus einem kleinen gemauerten Bogen im Wald, fließt das Wasser in den Kanalzufluss.

Saint-Ferreol Canal 1200

Wir sind dann nach Castelnaudary gefahren, einem großen Kanalhafen in der Nähe (siehe Artikelbild) und haben die dortige Fünffach-Schleuse besichtigt. Leider ist es schwierig, sie im Ganzen zu fotografieren. Hier sieht man nur die erste Kammer, dahinter sind vier weitere. Ich schätze hier geht es 15-20 Meter in einem Zug abwärts. Man braucht hier mit dem Boot eine halbe bis dreiviertel Stunde.

Castelnaudary Schleuse 1200

Danach ging’s etwas frustriert nach Hause. Wenigstens die Nudeln mit Champignon-Rahm-Sauce waren lecker.

Heute war ein besserer Tag. Wir sind nach Rennes-les-Bains gefahren. Das Wetter war nochmal fast 30° und sonnig. Unser örtlicher Bekannter Bruno, der Kristallschädelhändler, war leider nicht da und so konnte Heike nichts einkaufen. Wir sind stattdessen auf die abenteurliche Suche nach Quellen gegangen.

Zuerst haben wir die “Fontaine des Amours”, die “Quelle der Liebenden” besucht, eigentlich gar keine richtige Quelle, sondern ein natürliches Becken im Fluss. Man kann an der engen Landstraße kaum parken, aber wenn man’s nicht schon vorher weiß, findet man sie eh nicht.

Source Amour 1200

Es ist wunderbar ruhig, falls keine Dorfkinder zum Baden hier sind und von der Klippe links ins mehrere Meter tiefe Steinbecken springen. Aber wir haben Glück und sind fast allein. Das Wasser im Becken ist smaragdgrün und eiskalt. Wir halten die Füße hinein und sind verzaubert von diesem schönen Ort. Wenn man hier etwas Zeit in Ruhe verbringt, versteht man den neuen Namen, den örtliche Spirituelle diesem Platz gegeben haben: “Das Tor zu Atlantis”.

Die nächste Quelle ist wirklich eine Quelle. Wir haben sie schon seit drei Jahren gesucht. Die “Source de la Madeleine” – “Magdalenenquelle” – ist nämlich nicht ausgeschildert und nahezu unauffindbar im Wald zwischen der Felswand und dem Fluss versteckt, selbst wenn man weiß, wo sie sein müsste. Heute haben wir’s endlich geschafft.

Source Madeleine 1200

Dies ist ein sehr besonderer Ort. Wir setzen uns auf die Steinbänke im Schatten, zu unseren Füßen das rostrote Wasser. In die Felswand hat jemand eine Muttergöttin (Isis?) geritzt. Das Horus-Auge ist eine Vertiefung in der Wand.

Isis 1200

Heike channelt ein wenig und bekommt die Botschaft: ” Schön, dass ihr mich endlich gefunden habt.” Wer hier wohl aus Heike rausschaut? Weder ihr typischer Gesichtsausdruck noch ihre typische Haltung.

Source Madeleine Heike 1000

Es ist schon wieder spät. Wir wollen in Couiza noch eine Mandelpizza kaufen. Die nehmen wir als Mitbringsel mit nach Deutschland. Und so müssen wir uns auf den Rückweg machen.

Wir essen in Mirepoix im (vermutlich) einzigen vegetarischen Restaurant des Midi ein indisches Menü. Das Lokal wird von zwei Ex-Sannyasins betrieben und wir kommen meistens einmal im Urlaub hierher. Das Essen ist sehr lecker, wie immer und wir sitzen zum Abschluss noch einmal unter den schönen hölzernen Kolonnaden am Marktplatz. Es scheint, dass am Wochende ein Fest stattfindet, es stehen schon diverse Zelte. Schade, dass wir fahren müssen.

So, das war’s. Morgen wollen wir einen Stopp bei bei der Abtei Fontefroide einlegen, die liegt fast auf dem Weg, dann geht’s zurück ins herbstliche Deutschland. Wir haben mittlerweile beide das Gefühl, dass das jedesmal schwerer wird. Wahrscheinlich gibt’s noch eine Nachlese wenn wir angekommen sind, also schaut ruhig nochmal rein. Und jetzt kann ich das Ende wirklich nicht mehr länger rauszögern. Bonswaa!