Okzitanien – Tag 3 – ist schon spät…

Puh, wir sind heute weit gefahren, haben Sonne erwischt, sind gewandert, haben geschwitzt und sind erst kurz vor zehn Uhr im einem unglaublichen Unwetter heimgekommen. Jetzt wird erst mal gegessen. Den Artikel schreibe ich dann morgen…

Bonjour. Jetzt ist es morgen und ich erzähle euch von gestern. Wir haben es es tatsächlich geschafft, uns einen sonnigen Flecken rauszupicken. Wir nach Westen gefahren, Richtung Foix und dann weiter in ein kleines Dorf namens Arnave, wo es eine sehr schöne alte Kapelle gibt. Eine halbe Stunde Fußmarsch klang auch nicht schlimm, wir mussten dann aber feststellen, dass es permanent steil bergauf geht. War sehr anstrengend. Wir haben geschwitzt wie verrückt. Heike hat außerdem keine Socken dabei und läuft in offenen “Gesundheitsschlappen”. Die Kapelle ist dann aber auch wunderschön und einsam auf dem Berg gelegen.

Arnave 1 1200

Die Kirche ist aus dem 9. Jahrhundert und gleich nebenan gibt es eine kleine Hütte, in der ein heilkräftiger schwarzer Stein im Boden einzementiert ist. Es wird gesagt, dass er Epilepsie heilen kann, wenn man eine Nacht mit dem Kopf darauf schläft. Früher sind die Kranken sogar über die Pyrenäen aus Spanien hierher gepilgert. Die Kirche war offen und Heike konnte in Ruhe die Energien auspendeln.

Arnave 2 1200

Nach einer halben Stunde war es aber plötzlich vorbei mit der Ruhe: ein Jogger (offensichtlich verrückt) mit Hund und mehrere Wanderer sind aufgetaucht, der erste begrüßt uns nach dem Aufstieg mit “C’est rude!” – “Das ist heftig!” – Der ist nicht verrückt. Wir sind wieder abgestiegen und weitergefahren nach Lordat, wo es eine Burg mit Greifvogelgehege gibt. Auf dem Weg hat man einen unglaublichen Ausblick auf die Burg (rechts auf dem kleinen Berg). leider mussten wir feststellen, dass die Burg restauriert wird und deshalb geschlossen ist. Nix Burg, nix Vögel.

Lordat 1200

Wir haben deshalb beschlossen, weiter in die Berge zu fahren. Etwa 50 Kilometer vor der spanischen Grenze liegt dann Ax-les-Thermes, ein etwas heruntergekommener, aber immer noch nobler Badeort. Hier kommt mit 74° das heißeste Thermalwasser der Pyrenäen aus dem Boden. Es ist sehr schwefelhaltig, was man riechen kann. Auf dem Marktplatz gibt es ein Becken mit etwa 38°, das man einfach so benutzen kann. Nach unseren Wanderungen tut es Heike sichtlich gut, die Füße reinzutauchen.

Heike Ax 1200

Wir fahren weiter nach Orlu, das am Ende des Tals liegt. Von hier aus geht es nur noch mit einer Seilbahn weiter. Wir fühlen uns fast wie in der Schweiz. Die Landschaft und die Häuser haben sich sehr verändert. Am Ende der Straße liegt eine Aufzuchtstation für Wölfe. Sie hat geschlossen, es ist schon spät. Wir gehen ein Stück in den Wald, der wie verzaubert wirkt.  Wir folgen einem kleinen Gebirgsbach bis zu einem Wasserfall. Es ist wunderbar friedlich hier. Am Weg finden wir einen großen abgepflückten Steinpilz, den wir natürlich mitnehmen. Danke schön, liebe Naturwesen!

Wasserfall Orlu 1200

Auf dem recht langen Heimweg kommen wir nicht nur in die Dunkelheit, sondern auch in einen heftigen Gewittersturm, der fast genau über Hounoux hängt. Es blitzt zwar nur in den Wolken, das dafür aber mehrmals in der Sekunde – ein ständiges Geflacker. Wir sind froh, endlich zu Hause zu sein. Jetzt gibt es den Steinpilz in Kräuterbutter gebraten und französische Fertigpizza. Auch lecker.