Okzitanien – Tag 2 – Lagarde, Puivert

Hello again. Heute haben wir erst mal ausgeschlafen nach der langen Fahrt am Vortag. Der Flohmarkt vor unserem Fenster und die Traktor-Rundfahrten haben uns dabei nicht gestört. Wir sind spät aufgestanden und haben erst mal in Ruhe gefrühstückt. Heike wollte zuerst eigentlich nicht auf den Trödelmarkt, weil wir ja eh nichts finden, aber wir sind dann doch gegangen. Das ganze Dorf war voll mit Ständen und wir haben gekauft: eine Blauglasflasche für mein Labor, bunte Schnapsgläschen für die Krishnahasen, einen neuen Laserkristall für Heike (ihren alten hat sie irgendwo verschmissen), ein Azurit-Ei mit Messingständer auch für Heike und einen kleinen Buddha-Kopf aus Kunstholz zum Aufschrauben – zur Aufbewahrung für die nächsten Sariras (buddhistische Reliquien), die mir über den Weg laufen. Wahrlich nichts gefunden…

Dann sind wir endlich aufgebrochen. Nur eine kurze Tour in der Nähe, nicht besonderes. Aber es kam zum Glück anders.

Erster Halt: Château de Lagarde – weitgehend unbekannt. Heute ist das Schloss eine Ruine, aber in früheren Zeiten hatte es den Beinamen “Versailles des Languedoc”. Es handelt sich um eine Burg, die im 11. Jahrhundert vom spanischen Haus Aragon gegründet wurde und in der Renaissance zu einem Schloss mit riesigen Gärten umgestaltet wurde. Nach der französischen Revolution wurde es als Steinbruch benutzt. Seit den 90er Jahren wird es wieder gepflegt und ist der Öffentlichkeit zugänglich. Wir finden: die schönste Ruine, die wir bisher besucht haben.

Lagarde 1 1200

Da der Nachmittag schon weit fortgeschritten war, haben beschlossen, nur noch ein weiteres Ziel anzufahren: das Château de Puivert. Diese Burg ist, im Gegensatz zur letzten, weithin bekannt und wir haben sie bisher immer ausgelassen. Wer den Film “Die neun Pforten” mit Johnny Depp (Regie: Roman Polanski) gesehen hat, kennt das Bauwerk. Die Szenen am Ende wurden dort gedreht. Die Sonne stand schon sehr tief, deshalb konnte ich die Außenmauer leider nicht fotografieren. Hier der Burghof. Wirkt mit seinem kurzgemähten Rasen fast englisch. Vom Dach des Bergfrieds (der Schatten quer durch den Hof) hat man einen Wahnsinns-Ausblick und eine nur hüfthohe Brüstung ohne weitere Absperrung. Nicht rauslehnen! Und die Schwalben fliegen zum Greifen nah vorbei.

Puivert 1 1200

Im Inneren gibt es eine weitere Attraktion, für die das Château bekannt ist: den Saal der Musiker.

Puivert 2 1200

Die Besonderheit hier sind acht Konsolsteine, die die Streben des gotischen Deckengewölbes tragen und Troubadoure mit ihren Instrumenten darstellen. Dies ist die einzige bekannte Darstellung dieser Art aus dem Mittelalter, aber wir befinden uns ja hier im Land der Troubadoure.

Puivert 3 1200

Außerdem kann man noch die sehr schöne Burgkapelle und einen Raum mit einzigartigen, mehrstufigen Sitzbänken an den Fenstern besichtigen. Wir bleiben bis sie zumachen.

Auf dem grottenschlechten Serpentinenweg von der Burg herunter zur Straße kommt uns ein Althippie mit Rastafrisur in einem winzigen Renault entgegen. Wir lassen ihm auf der extrem schmalen Straße beraguf die Vorfahrt. Er winkt. Wir fragen uns spontan, ob das wohl der Burgherr ist, denn der Besitzer wohnt dort in dem Turm mit okzitanischen Flagge (Bild ganz oben).

Zuhause hat Rolf den kaputten Fernseher getauscht, Heike nimmt die Gelegenheit wahr und schaut beim Kochen nebenher “Casablanca” auf Arte. Wir kochen heute griechisch mit Bratkartoffeln, grünen Bohnen in Tomatensauce, einem Rest Tsatsiki von gestern, Bauernsalat mit Tofu und Pepperoni. War natürlich vegan und sehr lecker.

Das war ein überrasschend guter Tag. Jetzt werde ich noch etwas lesen und hoffentlich gut schlafen. Bis morgen.