Julfest (Weihnachten)

Das  Julfest ist eines der acht Feste des Jahreskreises. Es geht auf vorchristliche (also heidnische) Zeiten zurück. Sein Ursprung und die ursprünglichen Bräuche liegen im Dunkeln, da erste schriftliche Überlieferungen erst in christlicher Zeit auftauchen und möglicherweise schon vom christlichen Denken beeinflusst worden sind.

Das Julfest und somit auch Weihnachten, ist aus der Zusammenlegung verschiedener Feste entstanden. Die Germanen/Kelten feierten die Wintersonnenwende am 21. Dezember, die Römer hatten ein Neujahrsfest, an dem sie sich gegenseitig Geschenke machten. Später in christlicher Zeit (etwa ab dem 10. Jahrhundert) wurden diese Bräuche mit den kirchlichen Legende um die Geburt Christi verknüpft und auf den 25. Dezember gelegt. Hierdurch wurde der Bevölkerung ermöglicht, das gewohnte Fest weiterhin zu feiern, es wurde “nur” mit einer anderen Bedeutung versehen. (Natürlich behaupten Kreise, die der Kirche nahe stehen, in der Regel das Gegenteil. Die Kirche hat solche Umstände aber immer gerne genutzt, indem sie etwa auch Kirchen und Kapellen auf heidnische Kraftplätze gebaut hat. Aber das soll hier nicht weiter vertieft werden.)

Jedenfalls haben sich (wie bei anderen christlichen Festen auch) viele regionale, heidnische Bräuche erhalten. Von den Geschenken sprachen wir bereits, aber auch immergrüne Bäume oder Zweige ins Haus zu holen und zu schmücken, Festessen usw. zählen dazu. In skandinavischen Ländern bringt z.B. der Julbock die Geschenke auf seinem Rücken. Er wird mit den Ziegenböcken Tanngnjostr (Zähneknisterer) und Tanngrisnir (Zähneknirscher) gleichgesetzt, die den Wagen des Gottes Thor ziehen. Knecht Ruprecht, der heutzutage der Gehilfe des Weihnachtsmanns ist, lässt sich ebenfalls auf Thor (oder Wodan, wie er bei den Südgermanen hieß), zurückführen. Die Althochdeutsche Entsprechung für Ruprecht ist Hruodperaht, was “der Ruhmstrahlende” bedeuted und sich auf ihn bezieht. Auch die Julwichtel, die sich im skandinavischen Raum erhalten haben, waren früher einmal gute Hausgeister, die die Familie, den Hof und die Tiere schützten.

Das in der Prosa-Edda beschriebene Königsopfer, das das neue Jahr fruchtbar machen soll und im Wicca sehr wichtig ist, lässt sich in der Forschung jedenfalls nicht nachweisen und ist möglicherweise eine literarische Schöpfung.

Nichtsdestotrotz werden im neuheidnischen Julfest das Ende des alten Jahres mit der Wintersonnenwende und die Wiedergeburt des geopferten Gott des abnehmenden Jahres, bzw. der Tod des Stechpalmenkönigs und dessen Ablösung durch den Eichenkönig, dem Gott des zunehmenden Jahres, gefeiert. Es geht also letztlich um den Jahreskreislauf, das Wiedererstarken der Sonne und somit der Lichtkräfte, um die Hoffnung auf einen baldigen Frühling und auf neues Leben.

Auch die Vorstellung von den Rauhnächten gehört hierher. Wer mehr über die besonderen Energien und die damit verbundenen Rituale in der “Weihnachtszeit” erfahren will, kann hier weiterlesen.

Bild von Alice Popkorn – Lizenz CC BY 2.0