Ein Traum den ich neulich hatte…

Ich werde von jemandem tätowiert, im Schulterbereich rundrum. Das Bild stellt eine Szene wie einen Campus oder einen großen Innenhof dar – vielleicht mit Glasdach. Zentral steht dort ein Kunstwerk das wie ein einfacher Türrahmen aussieht – eigentlich wie vier Balken. Da tätowiert er gerade dran. Die schwarzen Linien sind fertig, er füllt die Flächen mit intensiven Grün- und Blautönen. Die Tätowierung soll fertig werden und dann irgendwo vorgeführt werden. Er erhofft sich dadurch Bewunderung und Anerkennung, wie bei einer Kunstausstellung.
Ich hab das Gefühl unter dem Tattoo durchsichtig zu werden und dahinter zu verschwinden. Im Schulterbereich sieht man fast nur noch das Tattoo, wie wenn man mit der Umgebung verschmilzt. Irgendwann sage ich “Nein” und will ihn nicht weiter machen lassen. Er kringelt mit der Tätowiernadel ein paar Leberflecke und Hautunreinheiten ein und meint, dass man die noch sieht und dass er weitermachen muss. Das Einkringeln tut weh, aber ich weigere mich trotzdem.
Ich wache auf, weil ich starke Schmerzen spüre und stelle fest, dass ich eine Art Wadenkrampf im rechten Unterschenkel habe. Ist auch später längere Zeit nach dem Aufstehen noch unangenehm zu spüren.

Ich schlafe wieder ein und träume wieder. Der Anfang ist leider weg. Ich habe noch ein paar Eindrücke, kann aber nicht mal sicher sagen, ob sie wirklich im Traum vorgekommen sind:
In einem Haus, wie dem meiner Eltern: Ich stehe im ersten Stock, wo das Badezimmer ist und schaue in die Abenddämmerung. Draußen ist eine Stadt. Alles ist leer und wie verlassen, kein Mensch ist zu sehen. Ich mache den Rollladen runter, um mich vor der bedrohlichen Leere zu schützen. Ich will sie nicht mehr sehen. Es wird dunkel im Zimmer.
Wir sind mehrere Leute (Freunde? Familie?) und laufen durch verwinkelte Gänge und Zimmerfluchten, wie in einem alten, großen Haus oder besser: Hauskomplex. Es geht immer weiter. Alles ist altertümlich und in dunklen Farben gehalten. Ich weiß nicht mehr, was dort genau passiert ist, aber es gab öfter bedrohliche oder unangenehme Situationen, z.B. eine Art Geist/Geisterbahnschreck der aus der Dunkelheit fährt. Ist aber nichts Schlimmes passiert, es war nur erschreckend.

Schließlich kommen wir in einen großen Speisesaal, der ebenfalls eher dämmrig ist (aber nicht unangenehm), keine Fenster hat und in einer Art Fin-de-Siècle-Architektur aufwändig gestaltet ist – Marmor, Messing, Mahagoni. Es gibt mehrere Tische, der Saal ist aber halb leer. Der Oberkellner kommt an unseren Tisch. Wir hätten es geschafft und bekommen jetzt unser Essen serviert (quasi als Belohnung). Wir sind die einzigen, alle anderen Tische sind leer.
Die Vorspeise kommt. Sieht in etwa aus wie Gurkensalat mit Joghurtsoße. Beim Essen merke ich, dass die “Gurkenscheiben” in Wirklichkeit aus Parmaschinken sind. Ich bin auch im Traum Vegetarier. Als der Oberkellner wiederkommt, hat er den nächsten Gang parat. Eine “gezahnte Bullette”. Sieht sehr dünn und mickrig aus und liegt ohne jegliche Beilage auf einem billigen weißen Glasteller; Zähne kann ich keine entdecken. Ich sage ihm in normalem aber bestimmten Tonfall, dass wir seine Vorspeise gegessen hätten, aber kein weiteres Fleisch mehr essen würden. Er sagt abweisend, dass wir dann schon sehen würden, was wir davon hätten.
Als ich mich umschaue sehe ich, dass einige (nicht alle) anderen Tische besetzt sind und dort auch Leute essen oder auf ihre Essen warten. In die Wände sind rundum kleine Regale mit Konserven eingelassen, Dosen, Flaschen, Gläser und sowas. Es gibt Häufen mit schön verpackten kleinen Geschenken und Schalen mit bunten Steinen. Die Sachen stehen zum Teil auch auf den Tischen, aber niemand fasst sie an.
Ich fange an, die anderen “Gäste” mit Gläsern und Flaschen zu bewerfen. Die ducken sich oder versuchen, die Geschosse abzuwehren. Wenn man geschickt ist, kann man aber “über Bande” werfen – also direkt vor ihnen auf die Tischplatte – dann schlagen die Esser ins Leere und der Gegenstand kracht ihnen nach dem Aufhüpfen in die Stirn, steckt dort fest und verschwindet schließlich. Eine rote, kreisförmige Narbe bleibt zurück. Manche Leute fangen an zurückzuwerfen, andere versuchen weiter zu essen. Ich werfe die Geschenke und Edelsteine in die Menge, bis alles wild verteilt ist. Es entsteht eine Art Saalschlacht.

Schließlich laufen wir wieder. Viele sind immer noch gegeneinander, aber wir laufen gemeinsam, wie eine Herde. Diesmal laufen wir durch Hallen und große Gänge, ähnlich dem Speisesaal. Es sieht aus, wie in einer Fin-de-Siècle-Shopping-Mall. Alle Läden sind zu, niemand ist da, außer uns Leuten aus dem Saal. Es geht immer noch rau zu. Wir entdecken nach und nach, dass wir mit Geisteskraft die Dinge beeinflussen können. Meistens schaden wir einander damit. Ich entdecke z.B. dass ich jemandem das Bein in Matsch verwandeln kann. Im Laufen knickt ihm einfach der Fuß ab, weil sein Unterschenkel förmlich zerspritzt. Er stürzt.
Ein Gerücht von den hinten Laufenden macht die Runde, dass der ganze Trakt in Kürze mit einer “Energie” geflutet wird, die alles auflöst, was sie berührt. Einige von uns lernen sehr schnell fliegen, zuerst noch unsicher, knapp über dem Boden, mit der Sorge, ob wir auch hoch genug kommen – dann höher und sicherer. Die Energie (rot und durchsichtig, wie ein Effekt aus einem billigen 70er-Jahre-Film) kommt und steigt brusthoch an. Wir halten uns knapp darüber. Ich weiß nicht, wie viele noch da sind, einige hat es bestimmt erwischt.
Endlich finden wir in der Ecke einer großen düsteren Halle einen kleinem, unscheinbaren Aufzug. Das ist der Ausgang. Der Aufzug kommt, die Tür geht auf, aber er ist voll mit dieser roten Energie. Der erste, der es nicht abwarten kann und reinfliegt wird aufgelöst. Nach ein paar Sekunden ist die Kabine aber leer und die Energie abgeflossen. Ich schwebe hinein und bin selbst überrascht von meinem Mut. Die Kabine ist winzig. Ich drücke mich in eine Ecke (ich kann am Rücken die Schalttafel mit den Knöpfen spüren) und sage zu den draußen Wartenden: “Ein oder zwei passen noch rein”, aber keiner traut sich. Die denken alle: “lass den erst mal fahren, mal sehen ob’s gut geht.” Die Tür schließt sich. Es ist als ob die Kabine einfach ausgeklinkt wird und ich bin im freien Fall. Es gibt auch keinen Aufzugsschacht mehr, die Kabine dreht sich um mich herum. Dann schlage ich auf.

Ich stehe in einer Straße, die ganz entfernt an die erinnert, in der meine Eltern wohnen. Die Häuser und Vorgärten sind größer, alles wirkt irgendwie neuer, bunter und fröhlicher. In der Garageneinfahrt vor mir steht ein riesiges, intensiv kupferfarben lackiertes Cabrio mit teurer Wildleder-Innenaustattung- ein richtiger Straßenkreuzer. Darin sitzt Linus Torvald (der “Erfinder” von Linux und im Prinzip der Gründer der Open Source-Bewegung). Er sieht aus wie eine Mischung aus dem altem Orson Wells (Schauspieler, Regisseur, Genie) und dem lieben Gott und er fährt gleich zu einer großen Linux-Konferenz. Ich will mit, will ins Auto, aber er ist zu schnell. Er parkt rückwärts auf die Straße aus – das Riesenauto wird dabei kleiner. Am Ende der Drehung ist es ein unglaublich getunter VW-Käfer mit irrsinnig breiten Radkästen und Türschwellern. Darauf könnte man stehen und sogar außen mitfahren, wie bei einer Kutsche. Ausstattung und Farbe sind immer noch genauso eindrucksvoll, alles eine individuelle, exzentrische Sonderanfertigung.
Ich laufe dem Auto hinterher und komme auf die Veranstaltung. Ich sehe eine junge Frau in Cargo-Hosen, die ihr Tank-Top hochhebt, damit der Bauch frei ist. Jemand hat mit einem Edding auf ihren Bauch drei Worte in schöner Schreibschrift geschrieben und eingerahmt. Er unterstreicht sie gerade mit Gelb um sie zusätzlich zu betonen. Ich kann nur das erste Wort lesen, kenne aber die Bedeutung der anderen beiden. Dort steht “Liberty”. Der ganze Text bedeutet: “Freiheit Bewahrer Chaos”: Freiheit schützt vor Chaos.

Foto “Art Deco on a Foggy Houston Evening” von Adam Baker – Lizenz CC BY-NC 2.0