Die vier Himmelskönige – Schutz für den Meditationsraum

Die vier Himmelskönige, im Sanskrit Lokapalas (Die Beschützer der Welt) oder Caturmaharaja (Die vier großen Könige) genannt, wurden aus der hinduistischen Götterwelt in den esoterischen Buddhismus (Vajrayana) übernommen. Im buddhistischen Pantheon gehören sie zu den Himmelswesen (Devas). Man zählt sie zu den Dharmapalas, den Schützern der Lehre, oft auch einfach nur “Schützer” genannt, zu denen z.B. auch Mahakala gehört.

Die Lokapalas sind verantwortlich für die Bewachung des Weltenbergs Meru (Kailash) und der Himmelssphären. Sie werden als die Wächter der vier Himmelsrichtungen bezeichnet. Sie beherrschen die verborgenen (chtonischen) Erdkräfte und halten sie unter Kontrolle, sowohl im eigentlichen Sinn (Tibet ist ein erdbebengefährdetes Land) als auch im übertragenen Sinn, der Eindämmung störender Kräfte in unserem eigenen Inneren oder verborgenen, negativen Einflüssen von außen. In vielen buddhistischen Tempeln finden sich ihre Darstellungen im Eingangsbereich. Auch Meditationsräume können durch sie vor negativen Einflüssen geschützt werden. Wie das geht erkläre ich nach einer kurzen Vorstellung der Herren ;-)

Schon aus der frühbuddhistischen Kunst kennt man Darstellungen der vier Könige. Aus dieser Zeit kennt man sie als Bewacher der vier Seiten einer Stupa und der darin enthaltenen Reliquien. Deshalb werden Tsa-Tsas (Votiv-Täfelchen, z.B. aus Lehm) mit ihrem Abbild auch heute noch gern für die Fundament-Befüllung neuer Stupas verwendet.

Jeder der vier Könige hat eine “gefährliche” Eigenschaft, die er zum Schutz der Menschen und der Lehre einsetzt, also nicht um zu Schaden. Jeder Lokapala regiert außerdem über eine Gruppe übernatürlicher Wächter-Wesen, vor deren negativen Eigenschaften er die Menschen bewahrt und die dem Schutz des Buddha Shakyamuni und des spirituell Praktizierenden dienen.

Vaishravana  (tib. Namthöse)

Vaishravana_klein

Himmelsrichtung: Norden
Körperfarbe: gelb oder orange
Attribute: Manguste, Rundbanner, seltener: Juwel und Schlange
Gefolge: Yakshas
Mantra: oṃ vaiśravaṇaye svāhā
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“Der alles Wissende” oder “Der alles Hörende”, Oberhaupt der Lokapalas, Hüter des Nordens, König der Yakshas und kraftvoller Beschützer der Rechtschaffenen. Er hält seinen Mund immer geschlossen, da sein Atem tödlich ist. Oftmals reitet er auf einem Löwen. Man sieht ihn als eine Ausstrahlung des Reichtümer bergenden Kubera (Jambhala) an. Kubera bringt weltlichem Reichtum und die Ausweitung von Wohlstand, um spirituell Praktizierenden materielle Freiheit auf ihrem Weg zu geben. Aufgrund dessen ist Vaishravanas wichtigstes Attribut eine Juwelen speiende Manguste. Als der wichtigste der Lokapalas wird er sowohl einzeln als auch in der Vierergruppe gezeigt.

Als Yakshas werden Naturgeister bezeichnet, die die Bäume und Berge beschützen und auch die Schätze in der Erde bewachen. Sie hausen in der Wildnis, typischerweise in freistehenden Bäumen und können sich unsichtbar machen. Unaufmerksamen Reisenden können sie große Probleme bereiten. Yakshas werden gerne mit dicken Bäuchen dargestellt, Yakshinis (weibliche Form) als verführerische Frauen mit üppigen Brüsten. Dies ist ein Zeichen der enormen Menge an Prana (Lebensenergie), das sie in sich tragen und das sie sehr kraftvoll macht. Dieser Umstand gibt ihnen auch die Kontrolle über alles, was mit Überfluss und Vermehrung in Verbindung gebracht wird (Fruchtbarkeit von Feldern oder Tieren, Vermehrung von Reichtum, etc).

Virudhaka  (tib. Phakyepo)

Virudhaka_klein

Himmelsrichtung: Süden
Körperfarbe: blau oder grün
Attribute: Schwert, Vollbart, seltener: Sonnenschirm
Gefolge: Kumbhandas
Mantra: oṃ virūḍhaka kumbhāṇḍādhipataye svāhā
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“Der immer Wachsende”, Hüter des Südens, Patron des Wachstums und König der Kumbhandas. Er beschützt die Rechtschaffenen vor Yama, dem Herrn des Todes. Er trägt das Schwert um jeden fernzuhalten, der ihm nahe kommt, da seine Berührung tödlich ist. Er wird nur in der Vierergruppe gezeigt.

Kumbhandas sind missgestaltete Gnome mit langen Hälsen und dicken Bäuche wie Kürbisse (Kumbhanda = Kürbis). Ihr Name kann auch als “Topf-Eier” übersetzt werden, deshalb werden ihre Geschlechtsteile “so groß wie Töpfe” dargestellt. Sie sind hungrige Geister, die auf Begräbnisplätzen hausen, Energie saugen und geistig lähmen können.

Virupaksha  (tib. Chenmizang)

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Himmelsrichtung: Westen
Körperfarbe: rot
Attribute: Stupa, geöffnete Sutrarolle oder metallenes Gefäß, seltener: Schlange
Gefolge: Nagas
Mantra: oṃ virūpākṣa nāgādhipataye svāhā
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“Der alles Sehende”, Hüter des Westens und König der Nagas. Er schützt vor Störungen beim Praktizieren. Da sein Blick tödlich ist, richtet er ihn fest auf die Stupa oder die Schriften in seinen Händen, um niemandem zu schaden. Er wird nur in der Vierergruppe gezeigt.

Nagas sind teilweise menschliche Schlangenwesen. Sie haben große magische Fähigkeiten und können jederzeit komplett menschliche Gestalt annehmen. Gelegentlich sollen sie ihr Reich verlassen und sich unter die Menschen mischen. Sie gelten als Wächter von Übergängen, Schwellen und Türen – auch im übertragenen Sinn als “Hüter der Schwelle”.

Dhritarashtra  (tib. Yülkhorsung)

Dhritarashtra_klein

Himmelsrichtung: Osten
Körperfarbe: weiß
Attribute: Laute oder anderes Saiteninstrument
Gefolge: Gandharvas
Mantra: oṃ dhṛtarāṣṭra ralāpravādhana svāhā
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“Bewahrer des Landes” oder “Wächter des Ortes”, Hüter des Ostens, und König der Gandharvas. Ihm untersteht das Heer der himmlischen Musikanten. Als ihr König ist sein Attribut die Laute, deren Klang die Gedanken der Menschen reinigen soll. Jeder Laut den er hört, wird auf den Erzeuger zurückgeworfen und tötet ihn, er musiziert also auch um andere Gräusche zu übertönen. Manchmal wird er mit einem Helm dargestellt, der seine Ohren bedeckt.  Er wird nur in der Vierergruppe dargestellt.

Gandharvas sind männliche Geistwesen, die mit den Blumen und Bäumen verbunden sind und in deren Säften und Blüten leben. Sie ernähren sich von “Gandha” was Duft oder Parfüm bedeutet. Die Gandharvas sind die himmlischen Musiker. Sie musizieren bei den Festlichkeiten der himmlischen Wesen.

Praktische Anwendung

Lokapalas

Neben Rezitieren der Mantras und Meditieren über den Darstellungen kann man auch sehr gut einen Raum mit den Himmelskönigen schützen.

Meiner Erfahrung nach geht das am besten durch das Aufstellen von Statuen oder Tsa-Tsas oder durch das Aufhängen von Tangkas oder einfachen Abbildungen der Lokapalas. Man bringt jeden Herrscher in der ihm zugeordneten Richtung an der entsprechenden Wand an – also z.B. Vaishravana an der Wand die nach Norden zeigt. Die Wand muss dabei natürlich nicht exakt ausgerichtet sein. Man nimmt einfach die Wand oder auch die Ecke, die am besten passt. Dadurch entsteht in der Mitte ein geschützter Raum.

Ich selbst habe vier sehr schöne, zusammenpassende Tsa-Tsas auf kleinen Absätzen über den Fenstern und Türen meines Behandlungs- und Meditationsraums stehen. In Trance kann ich das schützende Feld als weiße, transparente, ovale Blase wahrnehmen. Interessanterweise reicht es nicht ganz bis in die Ecken, dort ist es dunkler. Man sollte also in der Raummitte arbeiten.

Seitdem ich die Figuren aufgestellt habe, sind Fremdenergien, die z.B. Klienten mitbringen sehr viel weniger spürbar oder aggressiv. Auch das Meditieren läuft störungsfreier ab.

Ein kompletter Satz ist in unseren Breiten leider nicht ganz einfach zu bekommen. Ich habe zum Glück eine Quelle gefunden. Meine Tsa-Tsas sind ikonografisch korrekt, bezahlbar und mit je einem gesegneten Reiskorn befüllt. Bei Interesse gebe ich die Bezugsquelle gerne weiter – bitte kurz mailen.

(Bitte beachten, dass Mantras im Buddhismus meist  rituell vom Lehrer auf den Schüler übertragen werden, damit sie ihre volle Kraft entfalten. Der Lehrer beurteilt auch, ob ein Mantra für den Schüler geeignet ist oder nicht. Benutzung auf eigene Verantwortung. Die aufgeführten Mantras sind in Sanskrit.)

Wandbilder der einzelnen Lokapalas von Bodhisattwa; hier, hier, hier und hier
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