Das Geheimnis der Rauhnächte

In unserer heutigen Zeit sehnen sich wieder mehr Menschen danach, ihre Wurzeln zu finden und mehr im Einklang mit der Natur und den natürlichen Zyklen des Jahres zu leben. Somit bekommen alte Bräuche und Rituale, wie die zu den Rauhnächten, wieder Aufmerksamkeit und wollen in ihrer Bedeutung neu erfasst werden.

Den Auftakt zu den Rauhnächten bildet die Wintersonnenwende am 21. Dezember. Am Tag dieses letzten Jahreskreisfestes hat die Sonne ihren tiefsten Stand über dem Horizont erreicht. Dies ist auch der Tag des Jahres, an dem die Nacht im Verhältnis zum Tag am längsten ist. Das alte Jahr geht nun zu Ende – der Sonnenheld Mabon aus der keltischen Sage, der seit der Herbst-Tag-und-Nacht-Gleiche am 21. September immer schwächer geworden ist, stirbt an Samhain (31. Oktober, Halloween).

An diesem Tag wechseln die Lichtkräfte von der oberen in die untere Welt und das Portal zwischen den Welten steht für einen Moment offen. Jetzt beginnt die Zeit, in der der Schleier zwischen den Welten dünner ist als sonst und deren Höhepunkt und Abschluss die Rauhnächte darstellt. Die Wesen der anderen Welt, die Ahnen und die Toten sind präsent und Wotan (Odin) braust mit der wilden Jagd durch die stürmischen Nächte. An seiner Seite reiten allerlei Geister, Gnome und Kobolde. Sie holen die herumirrenden Seelen ab, die sich an Wegkreuzungen, in Weihern und Brunnen und an  verwunschenen Plätzen gesammelt haben und bringen sie ins Jenseits. Im Alpenraum wird die wilde Jagd übrigens von Perchta, einer mächtigen Unterweltsgöttin  (auch als Frau Holle bekannt) angeführt.

Nachdem Mabon von seiner Mutter der Erdgöttin Modron monatelang in ihrem Bauch getragen wurde, wird er von ihr zur Wintersonnenwende am 21. Dezember als das Sonnenkind wiedergeboren und ein neuer Jahres-Zyklus beginnt. Die Tage werden wieder länger und das Licht kehrt langsam zurück.

Woher kommt das Wort Rauhnacht? Die ursprüngliche Schreibweise “Rauchnacht” deutet zum einen auf das Räuchern hin, das an diesen Tagen eine lange Tradition hat. Selbst der Pfarrer ging in christlicher Zeit mit einem Weihrauchgefäß durch die Häuser und Ställe und segnete Menschen und Tiere. Andererseits bedeutet “rûch” im Mittelhochdeutschen “haarig” und zeigt damit vielleicht eine Verbindung zu Naturgeistern, wie den Perchten an. Die Perchten sind mit Fell bedeckte, wüste, angsteinflößende Gestalten, die auch heute noch ihr Unwesen bei traditionellen Umzügen im Alpenraum treiben, wo sie von verkleideten jungen Männern dargestellt werden, die allerlei Unfug treiben und mit Kuhglocken den Winter vertreiben.

Man geht im allgemeinen von 12 Rauhnächten aus, es werden aber meistens nicht alle gefeiert und es gab und gibt auch große Unterschiede bei den lokalen Bräuchen. Für die einen beginnen die Rauhnächte bereits am 21. Dezember, dem Tag der Sonnenwende und enden an Silvester, für die anderen ist erst die Mitternacht des Heiligen Abends am 24. Dezember der Anfang und sie enden am Dreikönigstag, dem 6. Januar.

Diese 12 besonderen Tage und Nächte liegen “außerhalb der Zeit” und es gelten entsprechend andere Gesetze. Die Rauhnächte sind eine Zeit des Übergangs und der Läuterung, der wilden Naturgeister und der Toten, eine Zeit des Übersinnlichen und der Magie. Unerschrockene können dann Kontakt zu den Ahnen und Geistern aufnehmen. Es ist aber auch eine Zeit des Rückzuges, der inneren Einkehr und der Stille, die man nutzen kann, um zur Ruhe zu kommen und Vergangenes abzuschließen, zu meditieren oder anderweitig Klarheit in sein Leben zu bringen. Man kann Kraft für das neue Jahr tanken, neue Pläne und Visionen für die Zukunft entwickeln und Einblicke in höhere Bewusstseinsebenen bekommen. Orakel und Rituale erhalten besondere Energie und Segen. Das Räuchern mit heimischen Kräutern und Harzen kann uns gerade jetzt bei diesen spirituellen Arbeiten sowie bei Reinigungs- und Schutzritualen unterstützen.

Je nachdem, was wir bearbeiten wollen oder mit welchen Kräften wir uns verbinden möchten, können die Rituale individuell gestaltet werden. Ein Spaziergang in den Wald, bei dem man den Tieren und Naturwesen Speisen mitbringt, wäre beispielsweise eine segensreiche Geste und verstärkt die Verbindung zum Naturwesen- und Tierreich. Achte besonders auf deine Träume. In diesen Nächten haben auch sie eine besondere visionäre und mystische Kraft.

Die bekannten Feiertage sind:

  • 21.12. Wintersonnenwende (Julfest, heidnisches Jahresende)
  • 24.12. Heiliger Abend (im hellenistischen Ägypten der Tag der Geburt des Sonnengottes Aion durch die jungfräuliche Unterweltgöttin Kore)
  • 31.12 Silvester (seit der Gregorianischen Kalenderreform von 1582 (!) das Jahresende)
  • 6. 1. Heilige Drei Könige (ursprünglich (bis 432) das Fest von Christi Geburt)

Bilder: Full Moon In Winter von  Dara (CC BY-NC-ND 2.0), Tehachapi von Christopher Walling (CC BY-NC-ND 2.0), Lamer Rauhnacht 2014 von  Hartmut Goldmann (CC BY-ND 2.0)

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